"Im Traum geht man auf Wanderschaft in die Seele". Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die überall und schnell einschlafen kann – denn ich schlafe wirklich gerne. Das Bett ist für mich der Ort, an dem ich zur Ruhe komme und einfach mal nichts tun muss. Ich schliesse die Augen, atme ruhig und lasse meine Gedanken schweifen, welche mich dann direkt ins Traumland katapultieren. Als Seitenschläferin habe ich ein festes Wohlfühl-Ritual: Ich muss immer einen grossen Deckenzipfel zwischen meinen Beinen einklemmen und beide Füsse zudecken – nur so fühle ich mich richtig wohl und geborgen. Ohne Kissen geht bei mir absolut nichts. Es muss mittelhart und etwas höher sein, damit ich morgens nicht mit einer Nackenstarre erwache. So individuell wie die Schlafposition ist auch jeder Schlaf.

Die 5 Zyklen

Obwohl ich gerne schlafe, ist mein Schlaf nicht der erholsamste und war es ehrlich gesagt auch nie. Durch persönliche Messungen habe ich meinen Schlafzyklus über längere Zeit überwacht und weiss nun: Meine Tiefschlafphase ist ziemlich kurz und ich habe einen ultraleichten Schlaf. Wenn meine Kinder husten, im Schlaf sprechen oder sonstige Geräusche von sich geben, bin ich sofort hellwach. Es fühlt sich an, als wäre ein unsichtbares inneres Ohr vierundzwanzig Stunden in Alarmbereitschaft. Jede Nacht durchlaufen wir Menschen mehrere Schlafzyklen. Ein Zyklus dauert etwa 90 Minuten und besteht aus fünf Phasen:

·        Die Einschlafphase

·        Die Leichtschlafphase

·        Der leichte Tiefschlaf

·        Der Tiefschlaf

·        Die Traumschlafphase (REM-Phase)

Während wir zur Ruhe kommen, arbeitet unser Körper auf Hochtouren, um Reize zu verarbeiten und sich zu regenerieren. Ein gesunder Schlaf ist das Fundament für ein starkes Immunsystem, einen guten Stoffwechsel und ein ausbalanciertes Herz-Kreislauf-System. Ein kleiner Tipp am Rande: Nackt schlafen fördert diese Prozesse nachweislich positiv! Spannend finde ich auch, dass wir mit zunehmendem Alter immer weniger Schlaf benötigen oder besser gesagt, mehrere kurze Schlafeinheiten am Tag.

Die innere Uhr

Mein Schlafrhythmus ist grösstenteils immer gleich. Ich gehe regelmässig zur selben Zeit ins Bett und stehe unter der Woche immer zur gleichen Zeit auf. Das Faszinierende daran ist, dass sich mein Körper so sehr an diesen Rhythmus gewöhnt hat, dass ich automatisch zur selben Zeit müde werde. Der frühe Morgen ist allerdings nicht unbedingt meine Lieblingszeit – mein Mann und ich sind uns da ziemlich ähnlich. Ich brauche meine halbe Stunde, bis ich wirklich wach bin. Mein Sohn dagegen ist ein absoluter Morgenmensch: Kaum aufgewacht, ist er voller Energie und bereit für den Tag. Meine Tochter ist das pure Gegenteil; sie braucht viel Zeit, um auf Betriebstemperatur zu kommen, und ist eher ein Morgenmuffel.

Tatsache ist, dass man zwischen drei Schlaftypen unterscheidet: Etwa 40 % der Bevölkerung sind Lerchen (Morgenmenschen), 30 % sind Eulen (Abendmenschen) und die restlichen 30 % liegen irgendwo dazwischen. Während Lerchen morgens schnell fit und leistungsfähig sind, fällt Eulen das Aufstehen schwer. Dafür blühen sie abends erst richtig auf und gehen erst spät ins Bett. Das Konzept der inneren Uhr ist durch zahlreiche Studien gut belegt und zeigt, dass jeder Mensch einen unterschiedlichen Schlafrhythmus besitzt. Wenn man herausfinden will, welcher Schlaftyp man ist, kann man dies am besten im Urlaub testen. Man geht dann ins Bett, wenn man wirklich müde ist und steht morgens ohne Wecker auf, sobald der Körper ausgeschlafen hat. Nach einigen Tagen ist der natürliche Rhythmus eingespielt und verrät den Schlaftyp. Welcher Schlaftyp man ist, ist genetisch vorherbestimmt.

 

Das Land der Träume

Wir träumen jede Nacht, oft sogar mehrmals, auch wenn wir uns nicht immer daran erinnern. Mittlerweile weiss man, dass in jeder Schlafphase geträumt wird - teils mehr und teils weniger intensiv.

Als ich etwa im Vorschulalter war, hatte ich sehr oft den gleichen Traum, an den ich mich noch heute bis ins Detail erinnere: Ich erwachte in einem Schloss mit unendlich vielen Geheimgängen und Rutschbahnen und erforschte alles immer wieder aufs Neue. Ich konnte, wenn ich mich konzentrierte, sogar herumfliegen. Jedes Mal vor dem Einschlafen hoffte ich, dass ich wieder genau davon träumen würde, was meistens auch funktionierte.

Es gibt unterschiedliche Arten von Träumen: Alltagsträume, Alpträume, luzide Träume (bei denen man den Traum bewusst steuert) und Tagträume. Während wir träumen, sind die Bereiche im Gehirn für Emotionen und Erinnerungen besonders aktiv. Der frontale Cortex, der für die Logik zuständig ist, ruht dagegen fast komplett. Unsere Muskeln sind in dieser Zeit wie gelähmt, was verhindert, dass wir uns im Schlaf verletzen.

Unser Gehirn ist fähig, im Traum Erlebnisse zu erschaffen, die wir in der Realität niemals so erleben würden. Es gibt viele Theorien, warum wir überhaupt träumen – ich denke, da glaubt jeder an etwas anderes. Viele Wissenschaftler sind sich jedoch einig, dass Träume einen starken Bezug zum Alltag haben und wir darin verarbeiten, was uns im Wachzustand besonders beschäftigt. Da wir aber auch von Dingen wie dem Fliegen träumen, spielt unsere Fantasie eine ebenso grosse Rolle. Was sicher ist: Im Traum gibt es keine Regeln. Und ich war schon oft froh, beim Sturz von einer Klippe kurz vor dem Aufprall aufzuwachen.

„Wenn wir träumen, betreten wir eine Welt, welche ganz und gar uns gehört.“

 

Text: Anja Macello

Bild: Gemini