Streetfood im Dättnau

Das viel diskutierte Restaurantsterben zeigt sich auch in Winterthur, besonders deutlich spürbar in der Innenstadt, wo traditionsreiche Betriebe wie das Restaurant Strauss oder das Gault-Milieu Restaurant Trübli ihre Türen schliessen mussten. Doch ein Blick in die Quartiere wie Dättnau offenbart ein differenzierteres Bild der lokalen Gastronomielandschaft.

Strukturwandel statt Kollaps

Mit fünf prominenten Schliessungen in den Jahren 2024-2025 liegt Winterthur im schweizweiten Durchschnitt von etwa zwei Prozent betroffener Betriebe. Die Ursachen sind strukturell: COVID-Kredite belasten die Liquidität, Fachkräftemangel treibt Lohnkosten hoch, und veränderte Konsumgewohnheiten setzen traditionelle Konzepte unter Druck. Besonders die gehobene Gastronomie kämpft mit steigenden Betriebskosten bei gleichzeitig sinkender Zahlungsbereitschaft der Gäste.

Dättnau als Mikrokosmos des Wandels

Dättnau illustriert exemplarisch die Dynamik der lokalen Gastronomieszene. Während das Kafi Ziegelstei als gut geführter Quartierbetrieb einen stabilen Platz gefunden hat, spiegelt sich der mobile Gastronomieboom in verschiedenen Formaten wider. EL Turco an der Julie-Bikle-Strasse verkörpert die neue Flexibilität: Wetterabhängig und je nach Cateringaufträgen informiert der Betreiber seine Kundschaft via Instagram und WhatsApp ob EL Turco@Garage stattfindet, ein Paradebeispiel für die digitale Vernetzung moderner Streetfood-Kultur.

Die Dättnauerstrasse war zeitweise ein Experimentierfeld für mobile Gastronomie: Ein Pizzawagen kam wöchentlich, der Güggeli-Express machte regelmässig Station, und eine Familie lieferte ThaiFood aus der eigenen Küche. Dass diese Angebote den Standort wieder aufgegeben haben, zeigt sowohl die Herausforderungen als auch die Dynamik des mobilen Segments, nicht jedes Konzept findet dauerhaft sein Publikum.

Mobile Gastronomie als Gegentrend

Schweizweit erlebt die Foodtruck-Branche seit 2015 einen bemerkenswerten Aufschwung mit mehreren hundert Neugründungen und durchschnittlich 60 Prozent Umsatzwachstum. In Winterthur haben sich Standorte wie der Merkurplatz zu Hotspots entwickelt, wo Foodtrucks wie "Beans & Balls" oder "Thaifood Like" erfolgreich operieren.

Mobile Gastronomie überzeugt durch tiefere Fixkosten, flexible Standortwahl und die Fähigkeit, rasch auf Marktveränderungen zu reagieren. Die Gewinnschwelle lässt sich dabei meist deutlich schneller erreichen als bei klassischen Restaurants.

 

Koexistenz statt Konkurrenz

Die Zukunft der Winterthurer Gastronomie liegt nicht im Entweder-oder, sondern in der intelligenten Kombination verschiedener Konzepte. Erfolgreiche Quartierbetriebe wie das Kafi Ziegelstei beweisen, dass traditionelle Gastronomie bei richtiger Positionierung durchaus überlebensfähig ist. Gleichzeitig ergänzen mobile Anbieter das Angebot flexibel und kostengünstig.

Das Beispiel Dättnau zeigt: Während manche mobile Konzepte scheitern, etablieren sich andere erfolgreich. Diese Dynamik ist gesund und spiegelt einen natürlichen Marktbereinigungsprozess wider, der Innovation fördert und letztendlich den Konsumenten zugutekommt. Winterthurs Gastronomie befindet sich nicht im freien Fall, sondern in einem Transformationsprozess hin zu vielfältigeren, anpassungsfähigeren Angebotsformen.

 

Text: Savas Oyun

Bild: ChatGPT, Pexels (Arnie Papp)